BÖG-Geschäftsführer Harald E. Meyer (rechts) und Präsident Toni Mörwald müssen nun einen Neustart versuchen. Bild: BÖG

Verrannt und abgewirtschaftet
08.06.2009
Einen Verein, der der Wirtschaftskammer nahesteht, beinahe in den Ruin zu treiben, ist auch eine Kunst.

An der Basis grummelt es schon seit längerer Zeit vernehmlich. Viele „normale“ Mitglieder der BÖG kehrten dem Verein angesichts der hybriden Höhenflüge von Präsident Toni Mörwald in den vergangenen Monaten den Rücken. Die entsprechenden Telefonate soll nicht immer freundlich verlaufen sein.

Als „Bund Österreichischer Gastlichkeit“ 1956 gegründet, handelt es sich bei der unter Mörwald etwas holprig in „Beste Österreichische Gastlichkeit“ umbenannten Vereinigung um einen Zusammenschluss von qualitätsbewussten Gastronomen, die für die geneigten Gäste in erster Linie ein Angebot an traditionellen heimischen Gerichten bereithielten. Und die sich einer soliden Küche sowie einem gepflegten Getränkeangebot verpflichtet fühlten.

Vom Start weg war der Verein der Wirtschaftskammer eng verbunden, die administrativen Arbeiten im brav föderalistisch nach Bundesländern aufgegliederten Verein wurden praktischerweise von Mitarbeitern der jeweiligen Landesorganisation der WK mit erledigt.

Das lief mehr als 40 Jahre bestens und der BÖG konnte sich eine respektable Position als Botschafter österreichischer Kulinarik aufbauen. Eine BÖG-Mitgliedschaft durfte durchaus als ein gewisser Qualitätsausweis verstanden werden.

Das änderte sich mit der Übernahme des Ruders durch Toni Mörwald. Der Hansdampf in allen Gassen, der sich vielleicht immer eine Spur zuviel vornimmt, lenkte gemeinsam mit dem vor einigen Jahren engagierten Geschäftsführer Christian Bayr den bis dahin gemütlichen Verein in eine vermeintliche Überholspur.

Die Spitzenköche und mehrhaubigen Restaurants des Landes wurden über Nacht als neue Mitglieder gewonnen und der Basis als die Leuchttürme, denen es zu folgen gilt, präsentiert. Grundsolide Landgasthäuser fanden sich plötzlich mit Kapazundern wie den Obauers, Heinz Hanner oder Walter Eselböck in einer Reihe wieder. Dass hier in kurzer Zeit unlösbare Interessenskonflikte entstehen müssen, versteht sich von selbst.

Dass dazu ein paar unternehmerische Fehlgriffe wie sündteure, aber wirkungslose Kochshows, die kostenintensive Etablierung eines Genusszentrums und die Übersiedlung in ein nobles Büro mit 6000 Euro Monatsmiete kamen, bringt jetzt das Fass zum Überlaufen. Die BÖG ist beinahe pleite, viele Betriebe der Basis haben die Mitgliedschaft aufgekündigt und die einst bejubelten Spitzenköche kehren dem Verein auch enttäuscht den Rücken.

Zurück bleibt ein Scherbenhaufen, entstanden durch die Großmannssucht einiger weniger Protagonisten. Die Aufräumarbeiten werden nicht leicht und man kann der BÖG nur wünschen, dass ein rascher Neustart erfolgreich verläuft. -lado-