Kinder in den Ferien. Alles zu seiner Zeit. Bild: alpenrose

Schulautonome Tage: Schrottprämie für Tourismus
22.04.2009
Die schulautonomen Tage wurden nicht für den Tourismus erfunden. Als Lehrerurlaub auch nicht.

Nun ist die Unterrichtsministerin vor den Betonschädeln der Lehrergewerkschaft also so was von in die Knie gegangen. Und muss vor den Mikrofonen sogar noch das Bröserl von der Auflassung der schulautonomen Tage als Spitzen-Super-Verhandlungserfolg feiern. Dabei schmissen die Lehrer ihrer Chefin ohnehin nur etwas vor die Füße, das sie schon vom Start weg nicht im Sinne des Erfinders zu gebrauchen dachten.

Wir erinnern uns: Die schulautonomen Tage wurden vor 20 Jahren eingeführt, um den gestressten Pädagogen Zeit für Fortbildung, Workshops und schulinterne Organisation zu schenken. Die so überlassene Autonomie über jährlich fünf Tage wurde schon im Jahr der Einführung flugs in die üblichen Fenstertage – vorwiegend im Herbst – gepackt. Recht schnell wurden daraus veritable Herbstferien.

Das alles geschah kaum zum Wohle der Schüler, die da ohnehin gerade die Sommerferien hinter sich hatten, wie Lehrervertreter heute mit dicken Krokodilstränen beweinen. Auch an die Eltern wurde dabei nicht gedacht. Die Lehrer nutzten die Chance, sich nicht ganz legal noch eine zusätzliche Urlaubswoche herauszuschlagen.

Also mutierte ein rechtlich zweifelhafter Zustand rasch zum Gewohnheitsrecht, das auch dem Tourismus zur Verlängerung der Saison dienlich war. Vor diesem Hintergrund ist es sonderbar, dass die Freizeitwirtschaft nun lautstark den Wegfall dieser schulautonomen Tage beklagt. Denn an eine Ankurbelung des Tourismus dachten die Lehrer bestenfalls in eigener Sache.

Letztlich war es doch so: Die Steuerzahler spendierten den Lehrern einen Zusatzurlaub und subventionierten über die ganze Kette, die diese Maßnahme in Gang setzte, indirekt die Freizeitwirtschaft. Was vor allem für Kinderlose, Eltern von erwachsenen Kindern und von den vielen, die sich keinen zweiten Urlaub im Herbst leisten können, schwer einzusehen ist.

Andererseits – dem Autohandel wird vom Steuerzahler ebenfalls mit einer Schrottprämie unter die Arme gegriffen. Es mutet fast ungerecht an, dass die Schrottprämie für den Tourismus in Form eines Lehrerurlaubs auf Regimentsunkosten nun gestrichen wird. -lado-