2016 besuchten 1,6 Millionen Touristen auf Kreuzfahrtschiffen die Lagunenstadt.

© Bild: adobestock/djama

Venedig verbannt Kreuzfahrtschiffe

08.11.2017 - Die Venezianer haben entschieden: Künftig dürfen die Schiffe mit Tausenden Touristen an Bord nicht mehr in der Altstadt anlegen.

Statt wie bisher durch Venedig am berühmten Markusplatz vorbei sollen ab 2019 zunehmend Schiffe auf der gegenüberliegenden Seite der Lagune am Festland anlegen, teilte Verkehrsminister Graziano Delrio mit. In der Industriegegend Marghera auf der anderen Seite der Lagune soll ein eigener Hafen für sehr große Schiffe entstehen, wo auch Passagiere aussteigen können. Für kleinere Schiffe soll ein Kanal umgebaut werden.

Anrainer, Kultur- und Umweltschützer klagen schon lange über Schäden, die die Riesenschiffe anrichten: Sie gefährden das ökologische Gleichgewicht in der Lagune, könnten historische Gebäude beschädigen und stoßen Schadstoffe aus. Außerdem spucken sie noch mehr Touristenmassen in der Stadt aus, die sowieso schon vom Ansturm überfordert ist. Im letzten Jahr kamen nach Angaben der Hafenbehörde mehr als 1,6 Millionen Kreuzfahrttouristen. Für sie ist eine Fahrt vorbei am Dogenpalast, am Markusplatz und den anderen Sehenswürdigkeiten Venedigs natürlich ein Highlight der Reise.

Umweltschützer sind trotzdem empört: Denn der Plan sieht laut Medienberichten auch vor, dass Schiffe mit mehr als 96.000 Tonnen in die Lagune einfahren können - wenn auch nicht am Zentrum vorbei. Derzeit sind diese Megaschiffe in der gesamten Lagune verboten. „Sie haben das schlechteste Projekt von allen gewählt“, sagte Luciano Mazzolin vom Anti-Kreuzer-Komitee No Grandi Navi (Keine großen Schiffe) dem Sender Radio Capital. „Wir wollen, dass die Schiffe überhaupt nicht in die Lagune fahren.“

Hinzu kommt: Das neue Terminal für die Kreuzfahrtschiffe in Marghera ist noch gar nicht fertig. Die Regierung spricht daher von einem Verbot der Kreuzer vor dem Markusplatz in drei oder vier Jahren. Bis dahin dürfen die Schiffe also noch vor der historischen Altstadt fahren.

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