Kampf gegen die Marktmacht.

© Bild: HGV PRAXIS/Axel Schimmel

Schweiz leitet Verfahren gegen Booking.com ein

13.09.2017 - Wegen Monopol-Verdachts legen sich die Eidgenossen nun mit dem „Google des Reisens“ an. Der Streit entzündet sich an den verlangten Provisionen und auch daran, dass sich Booking.com nicht verhandlungsbereit zeigt.

 

In der Schweiz hat der Preisüberwacher, eine Amtsperson zur Kontrolle von Preisen, ein Verfahren gegen das Reiseportal Booking.com eingeleitet. Bei einer Untersuchung habe man Hinweise auf Preismissbrauch bei den Kommissionen gefunden, die die Online-Buchungsplattform in der Schweiz verlangt. Die Suche nach einer einvernehmlichen Lösung mit Booking.com sei gescheitert, teilte die Behörde mit. Die Hotelbuchungsplattform habe sich nicht mit ihm an den Verhandlungstisch setzen wollen, so Preisüberwacher Stefan Meierhans. Deshalb ist nun ein Verfahren gegen das Unternehmen eingeleitet worden.

In der Schweiz verlangt die Plattform im Durchschnitt eine Vermittlungsgebühr von etwa 13 Prozent des vermittelten Umsatzes. Die Sätze der Plattform sind in der Schweiz damit etwa gleich hoch wie in Deutschland und Frankreich. Der Stab von Meierhans hatte aber im Juni eine Senkung der Gebühren auf acht Prozent bis neun Prozent vorgeschlagen. Damit wären die Vermittlungsgebühren laut des Preisüberwachers in absoluten Zahlen dann etwa gleich hoch wie in Deutschland, weil die Hotelpreise in der Schweiz im Schnitt höher als hierzulande sind.

Booking.com teilte mit, die Kommissionen seien im Konkurrenzvergleich angemessen und deckten sich mit jenen in anderen Ländern. Man habe dem Preisüberwacher Beweismaterial zum Funktionieren des Marktes vorgelegt.

Booking.com ist inzwischen zu einer Art Google des Reisens aufgestiegen. Kaum ein Touristikkonzern ist so mächtig und profitabel. Verbraucherschützer warnen schon länger vor einem globalen Monopol. Denn Plattformen wie Booking.com machen den Hotels unter anderem Preisvorschriften, die es ihnen untersagen, ihre Betten auf anderen Verkaufskanälen günstiger anzubieten. Die Hotels und ihre Verbände sehen darin einen Eingriff in die Unternehmensfreiheit.

Das Geschäft beherrschen die drei Plattformen Booking, Expedia und HRS, die zusammen 93 Prozent der Direktbuchungen generieren. Booking.com wurde in Amsterdam gegründet und ist 2005 vom US-Konzern Priceline übernommen worden. Die Aktie der US-Mutter stieg in den vergangenen fünf Jahren um rund 224 Prozent.

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