Die heimische Hotellerie muss diesen Winter mit durchschnittlich zehn Prozent weniger Saisonniers aus Drittstaaten auskommen. Bild: ökobau.de
Anfang dieser Woche wurde vom Arbeits- und Sozialministerium das Winterkontingent für Saisonniers freigegeben. Tirols Touristiker müssen dabei in der Wintersaison mit 8,3 % weniger Saisonarbeitern aus Drittstaaten auskommen als noch im Vorjahr. Das Kontingent wurde von 2705 auf 2480 Saisonniers nach unten geschraubt. Inklusive des Gletscherkontingents, das früher vergeben wurde, kommt Tirol damit auf knapp über 3000 Saisonniers – rund sechs Prozent weniger als im Vorwinter. Salzburg, das österreichweit hinter Tirol die zweitmeisten Saisonniers hat, wurde das Kontingent gar um 12,8 % gestutzt.
Das bringt Österreichs Hotelleriepräsident Sepp Schellhorn in Rage. Er warnt angesichts der Kontingentkürzungen von österreichweit durchschnittlich zehn Prozent vor einem Mitarbeitermangel in der Hotellerie. „Für gewisse Jobs findet man keine Österreicher. Abwäscher beispielsweise findet man hierzulande keine“, schäumt Schellhorn. Und er attackiert auch ÖVP und Wirtschaftskammer. „Dass die Wirtschaftspartei nicht aufschreit, ist mir völlig unverständlich“, so Schellhorn: „Ich weiß auch nicht, wo die Wirtschaftskammer bei den Verhandlungen gesessen ist – aber sicher nicht am Verhandlungstisch“, wird der streitbare ÖHV-Präsident in der „Tiroler Tageszeitung“ zitiert.
Nach Meinung Schellhorns droht eine Verschärfung der Mitarbeitersituation, zumal Deutschland den Arbeitsmarkt für osteuropäische Staaten bereits ab dem 1. Jänner 2011 öffnet, Österreich hingegen erst im Mai 2011. Bis dahin können Arbeitskräfte aus zehn EU-Staaten ohne erforderliche Arbeitsgenehmigungen beschäftigt werden. In Österreich fallen sie allerdings noch bis Mai in das Saisonniers-Kontingent. Woraus sich laut Schellhorn für Österreich ein Wettbewerbsnachteil ergebe.
Weniger drastisch sieht das Tirols Tourismus-Spartenobmann Harald Ultsch: „In Tirol ist nicht so viel gekürzt worden wie in anderen Bundesländern. Wir können mit dem Kontingent leben, das ist mit den Bezirken und den Sozialpartnern so abgestimmt.“ Zudem könne Tirol über die Fachkräfteverordnung bis zu 2000 weitere Arbeitskräfte aus Osteuropa holen. Auch die frühere Arbeitsmarktöffnung in Deutschland fürchtet Ultsch nicht. „Dass Deutschland im Winter plötzlich die ganzen Saisonniers aufsaugt, halte ich doch für sehr unrealistisch.“


