Zu sehr auf monopolartige Strukturen gesetzt: HRS-Gründer und Inhaber Robert Ragge (rechts) mit Sohn Tobias Ragge, Geschäftsführer.

Preisfreiheit für Hoteliers

22.02.2012 - Die Buchungs-Plattformen klagen sich jetzt gegenseitig. Das spart der Hotellerie das Geld für die Anwälte.

Die österreichische Hoteliersvereinigung ÖHV ist zufrieden. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat der Buchungsplattform HRS in einer einstweiligen Verfügung unter Androhung einer sechsmonatigen Ordnungshaft verboten, eine Bestpreis-Garantie zu erzwingen, teilte die ÖHV am Mittwoch mit. „Das ist eine ganz deutliche Botschaft: Es ist gut und richtig, den Rechtsweg zu beschreiten“, erklärt Thomas Reisenzahn, Generalsekretär der ÖHV. 

Das deutsche Gericht begründet seinen Spruch mit dem Widerspruch gegen § 1 des deutschen Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen: „Vereinbarungen zwischen Unternehmen, Beschlüsse von Unternehmensvereinigungen und aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen, die eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs bezwecken oder bewirken, sind verboten.“ Die Bestpreis-Garantie, so die Richter weiter, schließe Wettbewerb nahezu vollständig aus. Die ÖHV sieht sich so auch mit ihrer Beschwerde vor der Bundeswettbewerbsbehörde bestätigt und will weiterkämpfen. 

Skurril an der Sache ist lediglich, dass der Richterspruch in Deutschland auf Initiative einer weiteren Buchungsplattform zustande kam. Der Newcomer JustBook ist Mitte Jänner mit einer App gestartet, die täglich pro Stadt drei Hotels mit günstigen Exklusivraten für Übernachtungen am selben Tag anbietet. HRS forderte die entsprechenden Hotels auf, ihr Angebot bei JusBook zurückzuziehen oder denselben Preis über HRS anzubieten. Gegen diese Praxis hat JustBook nun beim Düsseldorfer Gericht die einstweilige Verfügung erwirkt. 

Bereits am 10. Februar war HRS vom deutschen Bundeskartellamt wegen Verstößen gegen das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen abgemahnt worden. Auch daran war das Berliner Unternehmen JustBook beteiligt gewesen. 

Wenn sich also die Plattformen in Zukunft gegenseitig bekriegen, schafft dies für die Hoteliers günstige Musterurteile. Man darf dem kleinen Plattformenkrieg also weiter amüsiert zusehen.

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