Neues Bargeldgesetz in Italien ruft wütende Proteste der Tourismuswirtschaft hervor: Beträge über 1000 Euro dürfen nicht mehr bar bezahlt werden. Bild: rockefeller.news.com

Italien: Cash-Verbot für Beträge über 1000 Euro
01.02.2012
In der Hotellerie Südtirols hagelt es wütende Proteste gegen einen Erlass, der die Bezahlung von Beträgen über 1000 Euro mit Bargeld verbietet.

Die finanz- und fiskalpolitischen Probleme der drittgrößten EU-Volkswirtschaft Italien sind sattsam bekannt. Allerdings treiben die rigiden Sparpläne des neuen Ministerpräsidenten Mario Monti manche skurrile Blüte. Im Kampf gegen Steuerhinterziehung und Schwarzgeldverkehr greift der neue Regierungschef zu mitunter harten Bandagen. Im Rahmen des eisern verhandelten Sparpakets wurden nun auch Barzahlungen über einem Betrag von 1000 Euro schlichtweg verboten. Rechnungen, die diesen Betrag übersteigen, dürfen nur noch via Kreditkarte oder Banküberweisung beglichen werden. Dem nicht genug: Bei Rechnungen, die den Betrag von 3600 Euro übersteigen, muss der Aussteller den Kunden namentlich registrieren und die Daten zum Jahresende an die Finanz weiterleiten. Wirte, die trotzdem Rechnungen über tausend Euro bar kassieren, droht eine Strafe bis zu 3000 Euro.

Von der vorwiegend eigentümergeführten Ferienhotellerie Südtirols, die sich als größter Leidtragender sieht, hagelt es wütende Proteste gegen dieses Gesetz. So wird der Chef des Südtiroler Hotel- und Gastwirteverbandes Walter Meister in „Tiroler Tageszeitung“ mit den Worten zitiert: „Für uns ist die Situation katastrophal. Es gibt ganz einfach eine Klientel, die lieber bar bezahlt. Nicht selten legen beispielsweise arabische Gäste 30.000 Euro auf den Tisch und wollen damit ihre Rechnung bezahlen. Nicht jeder Euro, der bar bezahlt wird, ist schwarz. Jeder zweite Betrieb verzeichnet bereits Umsatzeinbußen in der Höhe von zehn Prozent. Und das vor der Tatsache, dass die Wintersaison eigentlich blenden läuft. Die Betriebe in der Schweiz und in Nordtirol sind ausgebucht. Nur wir sind erstmals nicht ausgebucht“, beklagt Meister.

Wobei der Kampf gegen Steuerhinterziehung nicht nur verzweifelt, sondern wie Beispiele aus der Praxis zeigen, durchaus berechtigt geführt wird. Bei einer Razzia im Nobelort Cortina d’Ampezzo gaben von 251 überprüften Besitzern von Luxuskarossen der Marken Ferrari und Co. 41 Wagenhalter an, ihr Jahreseinkommen liege bei jährlich 30.000 Euro brutto bzw. darunter. Und in einem Bericht der „New York Times“ wurden italienische Finanzbeamte zitiert, wonach die Hälfte jener Besitzer von Yachten, deren Länge zehn Meter übersteige, ein Jahresgehalt von 20.000 Euro angaben. Schätzungsweise verliert der Staat Italien pro Jahr 115 Milliarden Euro durch Steuerflucht.