Dass die Gastronomie eine harte Branche ist, ist bekannt. Die zuständige Gewerkschaft fordert nun bessere Entlohnung und größere Anreize zur Weiterbildung. Bild: factfinder

Gute Geschäfte, schlechte Bedingungen
27.07.2010
Bei der Präsentation des neuen Arbeitsklimaindex kritisiert vida-Chef Rudolf Kaske die zunehmend harten Arbeitsbedingungen in Gastronomie und Hotellerie

Die gesamtwirtschaftliche Zukunft wird von den Arbeitnehmern im Tourismus durchaus positiv gesehen. Viele Beschäftigte haben auch den Eindruck, den Betrieben gehe es wieder besser. Allerdings an der jeweiligen Arbeitssituation der Mitarbeiter hätte sich wenig bis nichts zum Besseren geändert. Das veranlasste auch den Chef der Dienstleistungsgewerkschaft „vida“, Rudolf Kaske bei der Präsentation des neuen Arbeitsklimaindex zu der Aussage, „während die heimische Hotellerie schon wieder in Feierlaune ist – erst letzte Woche freute sich die Wirtschaftskammer über die Krisenresistenz des österreichischen Tourismus –, herrscht bei den Arbeitnehmern keine Jubelstimmung.“

Die Unzufriedenheit steigt sogar weiterhin dramatisch an, wie die aktuelle Sonderauswertung des Arbeitsklimaindex für den Tourismus zeigt, die im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich vom Institut für Empirische Sozialforschung (IFES) erstellt wird. Ein großer Kritikpunkt ist etwa der Zeitdruck, unter dem die Arbeitnehmer der Branche leiden. Die Anzahl derer, sie sich als stark belastet oder belastet einstufen, ist im Tourismus signifikant höher als in anderen Branchen. „Zeitlicher Stress im Tourismus ist kein Managerproblem, sondern ein Beschäftigtenproblem“, konstatiert Kaske. Die knappe Personalausstattung und die Sparpläne der Betriebe während der Krise führen dazu, dass die einzelnen Beschäftigten unter größerem Druck stehen.
Kritik fand neben den Arbeitsbedingungen auch die im Vergleich zu anderen Branchen niedrigere Entlohnung. Mehr als die Hälfte der Befragten kommen nur schlecht bis gar nicht mit ihrem Einkommen aus. Sie müssen dieses finanzielle Manko durch Zuwendungen von (Ehe-)Partnern, Eltern oder Großeltern kompensieren, um halbwegs über die Runden zu kommen.
Groß ist auch die Unzufriedenheit mit den Weiterbildungsmöglichkeiten in der Branche. „Kein Wunder, dass auch die Erwartungen in Hinblick auf die eigene Karriere im Tourismus auf niedrigem Niveau stagnieren“, kritisiert Kaske. Die Bindung zum Unternehmen ist dementsprechend gering. Die Flucht aus der Branche ist oft die einzige Alternative. „Daher müssen rasch Maßnahmen ergriffen werden, um diesem Trend entgegenzusteuern“, fordert Kaske.
„Eine reine Imagekampagne ist sicherlich zu wenig, professionelle Maßnahmen sind gefragt“, weiß Kaske. Daher lädt der vida-Vorsitzende die Tourismuswirtschaft ein, schon heute mit der Gewerkschaft darüber nachzudenken, wie Mitarbeiter künftig an die Branche und an ihren Beruf gebunden werden können.