Perfekter Einstand mit drei Hauben und 17 Punkten: Bobby Bräuer und das Restaurant Petit Tirolia im Hotel Gran Tirolia in Kitzbühel. Bild: picture one

Gault Millau 2010: Oben nichts Neues
04.11.2009
Keine großen Überraschungen birgt der neue Gault Millau: Lediglich Bobby Bräuer steigt mit drei Hauben ein

Die 31. Ausgabe des Gourmetführers Gault Millau glänzt weniger mit spektakulären Neuerungen im obersten Ess-Segment, bewertete allerdings erstmals Restaurants und Hotels in Prag, Bratislava und Budapest und vollzog somit eine Osterweiterung. Wie das Herausgeber-Ehepaar Karl und Martina Hohenlohe betonte, „habe man bereits an einer eigenen Ostausgabe gearbeitet, allerdings sei dann die Wirtschaftskrise dazwischen gekommen. Verzichten wollte man auf die aufgestöberten kulinarischen Stätten in den Metropolen der Nachbarländer dennoch nicht.

Im obersten heimischen kulinarischen Machtgefüge hat sich wenig bis nichts getan. So sind die Vier-Hauben-Betriebe unter sich geblieben: Johanna Maier und ihr Restaurant Hubertus in Filzmoos, die Brüder Karl und Rudi Obauer mit ihrem gleichnamigen Restaurant in Werfen, Walter Eselböck und sein „Taubenkobel“ im burgenländischen Schützen und Heinz Reitbauer jr. mit seinem „Steirereck“ im Wiener Stadtpark. Trotzdem bedeutet das einen Vier-Hauben-Betrieb weniger, zumal das Restaurant Coburg mit Chefkoch Christian Petz wenige Tage nachdem ihm im vergangenen November die vierte Haube verliehen worden war, zugesperrt hat.

Wesentliche Neuerungen sind daher eine Stufe darunter bei den Drei-Hauben-Betrieben zu finden. So ist der deutsche Küchenchef Bobby Bräuer, der seit Mitte des Jahres im Kitzbühler Hotel-Hotspot Gran Tirolia den Kochlöffel schwingt, auf Anhieb mit 17 Punkten und drei Hauben eingestiegen. Das Hotel der russischen Milliardärin Jelena Baturina hatte zwar mit Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen, mit dem Fine-Dining-Restaurant „Petit Tirolia“ gelang dem Kitzbüheler Top-Betrieb samt angeschlossenem Golfplatz kulinarisch jedoch ein perfekter Einstand.

Der zweite Aufsteiger ist ein alter Bekannter: Koch-Exorzist Didi Dorner, der kulinarisch wie betriebswirtschaftlich Höhen und Tiefen durchlief ist mit seinem gleichnamigen Restaurant im steirischen Stainach mit 17 Punkten bewertet worden und erreichte somit (wieder einmal) ein Niveau früherer Jahre.

Weitere Aufsteiger sind das  „Aiola City“ in Graz (plus 2,5 Punkte), das Restaurant „Anna Sacher“ im Wiener Hotel Sacher, das Restaurant „Kaps“ in Kitzbühel und die Red Bull Edelkantine „Carpe Diem Finest Fingerfood“ in der Salzburger Getreidegasse (jeweils plus zwei Punkte“.

Was aber die Genießer-Gemeinschaft fast noch mehr interessiert, das sind die Absteiger. Und hier musste eine wahre Institution gehörig Federn lassen: Das Wiener „Imperial“, bislang mit 15 Punkten und zwei Hauben ausgezeichnet, wurde gleich um zwei Punkte abgewertet und erhielt – gerade noch – eine Haube. Genauso erging es dem „Goldenen Berg“ und der „Post“ in Lech am Arlberg sowie dem „Aenea“ in Reifnitz und dem „Grander“ in Wattens (alle von 15 auf 13). Abgestuft um 1,5 Punkte und somit ihre Haube verloren haben die Restaurants „Sonnenwirt“ (Gleisdorf), „Alt Salzburg“ (Salzburg), „Nigl“ (Senftenberg) und „Schüttkasten“ in Klosterneuburg.

Der neue Gault Millau 2010 mit 620 getesteten Restaurants und 411 bewerteten und kommentierten Hotels ist ab 5. 11. zum Preis von 32 Euro im Buchhandel erhältlich.