Premiumprodukte wie frischer heimischer Fisch zählten zu den Rennern der heurigen Festspielsaison. Wolfgang Biladt, Wirt im Gasthof zur Überfuhr in Salzburg-Aigen ist zufrieden. Bild: HGV PRAXIS

Festspiele – auch für Wirte
30.08.2011
Nicht nur das Management der Salzburger Festspiele freut sich über eine Rekordsaison. Auch die Gastronomie ist mit den Umsätzen glücklich.

Harte Zahlen lassen sich schwer festmachen, aber eine kleine Umfrage unter den Gastronomen in Salzburg-Stadt lässt den Schluss zu, dass die Umsatzsteigerungen in der Festspielzeit durchaus im Rahmen von 15 Prozent liegen dürften. Auch die Gründe hierfür sind mannigfaltiger Natur.

Heidi Kronberger, die in Salzburg Nonntal ihr italienisches Spezialitätenlokal „Prosecco“ führt, zeigt sich heuer besonders über das Mittagsgeschäft erfreut: „Hier konnten wir deutliche Zuwächse erzielen.“ Das Prosecco, das unter Festspielbesuchern als Geheimtipp gilt, in dem nicht nur Präsidentin Helga Rabl-Stadler samt Familie, sondern auch Dirigentenwitwe Eliette v. Karajan anzutreffen sind, ist seit dem Auslaufen der Übergangsfrist ein vollständiges Nichtraucherlokal. Und Patronin Kronberger äußerte zu Anfang Ängste über die Akzeptanz, die sich jedoch als unbegründet herausstellten.

Robert Maurer, Inhaber des bierorientierten In-Lokals „Zum fidelen Affen“ ist trotz vieler Baustellen rund um seinen Betrieb in der Priesterhausgasse in der rechten Altstadt voll zufrieden. „Das Wetter hätte zwar besser sein können, aber wir waren immer sehr gut gebucht. Die Saison war ein voller Erfolg.“

Hellfried Bacher vom Nobel-Restaurant „Zum Buberlgut“ beim Salzburger Kommunalfriedhof: „Das Wetter hat eine wichtige Rolle gespielt. Die Gäste fuhren nicht ins Seengebiet, sondern blieben in der Stadt. Sie haben die Restaurants und Geschäfte beehrt. Wir haben nach 13 Jahren unseren besten Festspielsommer.“

Ebenfalls über das beste Geschäft zu den Festspielen freut man sich im Hotel-Restaurant „Zur blauen Gans“, gegenüber dem Festspielhaus. Die Gründe seien schlechtes Wetter und gutes Programm, betont der Lokalmanager Andreas Gfrerer: „Das gute Programm bei den Festspielen dürfte mit der Intendanz von Markus Hinterhäuser und Thomas Oberender zu tun haben, die mit einer gewissen Lässigkeit die Festspiele führen. Diese Lockerheit und Leichtigkeit bei hoher Qualität kommt bei uns als sehr festliche Stimmung an. Ich glaube, dadurch sind die Gäste auch beim Ausgeben freudiger.“

Für Brigitte Gruber, die am Hagenauerplatz (Mozarts Geburtshaus) das altehrwürdige Restaurant „Zum Eulenspiegel“ führt, war es ein gewohnt starkes Festspielgeschäft: „Für uns ist das immer eine Art Ausnahmezustand. Sicher ist es schwierig, wenn viele Plätze im Freien reserviert sind und das Wetter dann einen Strich durch die Rechnung macht. Aber wir haben nicht nur ein sehr verständnisvolles Stammpublikum, sondern auch viele neue Gäste, die sich von der regional-saisonalen Küche begeistert zeigten.“

Nicht euphorisch, aber dennoch sehr zufrieden spricht auch Wolfgang Biladt über den Festspielsommer: „Wobei Sommer vielleicht etwas übertrieben ist“, nimmt der Wirt vom Gasthof zur Überfuhr im Salzburger Stadtteil Aigen das verregnete Wetter lächelnd zur Kenntnis. Wenn die Temperaturen stimmten, dann kamen unsere Grillabende im Gastgarten sehr gut an.“ Neben einem ausgebuchten Haus spricht Biladt auch von einem gut frequentierten à-la-carte-Geschäft. Die Konzentration auf heimische Top-Qualität bei den Produktion sei nach Aussagen des Gastronomen voll aufgegangen.

Josef Zaunreiter wiederum ist jetzt froh, ein paar Tage ausschnaufen zu können. Der Wirt des „resch & lieblich“ im Toscaninihof, das direkt an den Bühneneingang des großen Festspielhauses grenzt, ist abgekämpft. „Jeden Tag von neun bis Mitternacht Vollgas, und das nicht nur während der Festspielzeit, sondern schon Wochen vorher, weil wir auch während der Vorbereitungen und Probenzeit bereits voll ausgelastet sind. Das Geschäft lief sehr gut, allerdings hatten wir mit Personalproblemen zu kämpfen. Mein besonderer Dank gilt dem verbliebenen Restteam.“