Beim wohl berühmtesten Koch der Welt, dem Franzosen Paul Bocuse, kam es zu Änderungen im Gesellschafterkreis seiner Unternehmen. Diese Nachricht verbreitete sich vor allem Frankreich, wo Bocuse wie ein Popstar verehrt wird, wie ein Lauffeuer und wird natürlich vorwiegend in eine Richtung interpretiert: Ist das ein Anzeichen für den bevorstehenden Rückzug des 84-Jährigen aus dem aktiven Berufsleben? In Gourmetkreisen ist das natürlich ein Tabu-Thema, weil sich kaum ein Genießer wirklich vorstellen kann, dass sich Bocuse ganz aus der Küche verabschiedet.
Jedenfalls wird sich der französische Fonds Naxicap Partners mit vier Millionen Euro an einer Holding von Bocuse beteiligen, in der die vier Lyoner Brasserien des Herdmeisters, die nach den vier Himmelsrichtungen benannt sind, zusammengefasst sind. Die Investmenttochter der Bankengruppe Naxitis erwirbt damit einen Minderheitsanteil an der Brasseriekette, die im 2009 einen Umsatz von 20 Millionen Euro gemacht hat. Der Meister selbst sowie sein langjähriger Geschäftspartner und Kochgefährte Jean Fleury bleiben Mehrheitseigentümer.
Nicht betroffen von dieser Beteiligung sind die dreizehn übrigen Restaurants von Bocuse, die sich in Frankreich, den USA, in Japan und Australien befinden und auch nicht das berühmte Restaurant Auberge du Pont, das im kleinen Örtchen Collonges, wenige Kilometer nördlich von Lyon liegt. In diesem Restaurant wird Bocuse seit den 1960er Jahren durchgehend mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Insgesamt beschäftigt das globale Gastronomieunternehmen mehrere hundert Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro.
Der Einstieg des Investors zum Lebensabend der Kochikone wird aber auch dahin gedeutet, dass Bocuse die Bewahrung seines Lebenswerkes sicherstellen will. Und es wäre nicht Bocuse, wenn nicht weitreichende Pläne gewälzt würden. So sind etwa rund um das Stadion des erfolgreichen Stadtklubs Olympique Lyon drei weitere Gastronomiebetriebe geplant.

