„Den Wandel im Tourismus bewältigen – zukunftsfähige Strukturen schaffen“ – zu diesem Thema diskutierten die Experten (v. l. n. r).: Univ.Prof. Gottfried Haber, Rainer Ribing (Geschäftsführer Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft), Tourismus-Sparten-Obmann Hans Schenner, Präsident Fritz Kaufmann.
An die 2000 Hotels und Pensionen stehen in Österreich in den nächsten zehn Jahren zur Übergabe an. Den damit verbundenen Strukturwandel in der heimischen Tourismuslandschaft diskutierten Experten am Mittwochabend beim europäischen Forum in Alpbach. Denn die Betriebsaufgabe oder -übergabe ist für Hoteliers nicht immer leicht.
Die Chefs familiengeführter Hotels und Pensionen befinden sich im Alter oft in einer prekären Situation – es gibt keinen Betriebsnachfolger und den Ausstieg aus dem Business können sie sich auch nicht leisten. „Grundsätzlich geht es darum, die gesetzlichen Grundlagen dafür zu schaffen, dass man mit Würde aufhören kann – die Kinder können oder wollen nicht übernehmen und die Alten wurschteln dahin, das kann es nicht sein“, sagte der Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich Hans Schenner, zur APA.
Unrentable Betriebe, die weder verkauft noch weitergeführt werden können, belasten dem Branchensprecher zufolge das gesamte Preisgefüge und die Volkswirtschaft. Fast jedem zweiten Unternehmer sei es zu teuer aufzuhören. „Sie investieren nicht, sie verdienen nichts mehr, erbringen kaum Steuerleistungen und machen günstige Preise“, fasste Schenner das Dilemma zusammen. Unternehmen mit 50 bis 80 Betten hätten generell oft zu wenig Kraft für Neuinvestitionen.
„Eigentlich gehören diese Betriebe vom Markt oder komplett umstrukturiert.“ Den aktuellen Strukturwandel in der Tourismusbranche verglich der Tourismus-Obmann mit dem Greißlersterben. Für die Betroffenen müssten Ausstiegsszenarien geschaffen werden. „Die Beherbergungsbetriebe können ja auch nichts dafür, die Zeiten haben sich geändert.“
Als denkbare Ausstiegsmöglichkeit nennt der Geschäftsführer der MGI Steuerberatung (Radstadt), Erwin Stadler, eine steuerneutrale Betriebsaufgabe oder den Verkauf. Dazu müssten aber die Gebäudebegünstigung und die Hälftesteuersatzbegünstigung vom Alter und der Erwerbstätigkeit losgelöst werden bzw. der steuerbegünstigte Verkauf ohne Fristenbindung ermöglicht werden. Durch eine Förderung für die Umwandlung der Betriebe oder eine Ertragssteuerbefreiung könnten neue Strukturen - etwa Alternativnutzungen der Beherbergungsimmobilien – geschaffen werden. Stadler denkt dabei beispielsweise an Seniorenresidenzen.
Betriebe, die in der Familie übergeben und weitergeführt werden, dürfen laut Schenner nicht mit zusätzlichen Kosten belastet werden. Der Tourismussprecher fordert eine steuerfreie Übergabe innerhalb der Familie.


