Erfreut über den erfolgreichen Auftakt von theALPS 2011 (v.l.): Hubert Siller (MCI Tourismus und Vorsitzender der Expertenjury des theALPS-Award 2011), Harald Ultsch (WKT, Obmann Sparte Tourismus), Moderator Christian Häckl, Karl Pall (Head of Google Austria) und Josef Margreiter (GF Tirol Werbung). Bild: theALPS/pro.media

Das Ende des Massenmarketings
06.06.2011
Digitale Welt und Tourismus: Worauf sich die Freizeitwirtschaft künftig einstellen muss, das wurde beim Symposium von „theALPS“ in Wattens erörtert.

Es ist – in der Theorie – beileibe nichts Neues, doch in der Praxis doch relativ unbekanntes Gelände: Die Digitalisierung ist längst im alltäglichen Leben angekommen – doch wie kann der Tourismus dies nutzen, wie in der digitalen Welt seinen potenziellen und bereits existierenden Gästen näher kommen? Das Auftaktsymposium des neuen Messe- und Netzwerkformats theALPS am 5. Juni in den Kristallwelten Wattens widmete sich unter dem Titel „ Future Communication in Tourism presented by Google“ ganz den Fragen nach dem Wie, Warum und Wer der Digitalisierung. Das Fazit der vier Vortragenden kann dabei unter dem Motto „Individualität siegt“ zusammengefasst werden – mit durchaus überraschenden Ergebnissen, wie sie beispielsweise exklusiv von Dr. Karl Pall, Head of Google Austria, dem versammelten Plenum von knapp 300 Touristikern präsentiert wurden.

Ein Highlight und mit viel Spannung erwartet war der Vortrag von Dr. Karl Pall, Head of Google Austria. Gleich zu Beginn lieferte er die Antwort auf die Frage, wo der Megatrend des Internets liege. „In der Suche: Und wenn man sich die Zahl von 3,6 Milliarden Suchanfragen pro Tag vor Augen führt, klingt das doch sehr spannend“, so Österreichs Google-Chef. Mit zwei Milliarden Internet-Nutzern weltweit und einer Zahl an Smartphone-Nutzern, die schon 2012 weltweit die Zahl an PC-Nutzern überschreiten wird, hat Google einen Marktplatz, der im wahrsten Sinne unglaubliche Möglichkeiten bietet. „Wir denken nicht mehr in Jahren, sondern in Monaten – denn bislang ist alles schneller passiert als gedacht“, so Pall. Denn das Nutzungsverhalten von Usern verändert sich – nicht zuletzt durch die rasant wachsende Zahl an Smartphone-Nutzern: Während Desktop-Nutzer noch hauptsächlich den Morgen oder den Mittag für digitalen Datenaustausch nutzten, tun es Smartphone-Besitzer praktisch „in bed“ – am Abend. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie rasant sich Technologien und damit auch Kunden verändern: Dauerte es beim Radio noch 38 Jahre, bis es die 50-Millionen-Nutzermarke knackte, waren es beim iPhone drei Jahre, beim iPad gerade mal geschätzte 80 Tage.

Für Stefan Niemeyer und Michael Mrazek (GF) von NCM, der führenden Internetagentur im Tourismus aus Salzburg, ist Social Media vor allem eins: „Das Tratschen in der realen Welt – nur eben über Internet.“ Dabei geht es um das Gewinnen der „Lieblingsgäste“ – jener Gäste, „die kommen, wann man sie braucht, die alles toll finden und am Ende auch eine gute Bewertung abgeben“. Und diese Gäste, davon sind die beiden Experten überzeugt, muss man nicht suchen – man muss sich von ihnen finden lassen. Um das zu bewerkstelligen, müssen Anbieter vor allem eines können: zuhören. Im Bereich Social Media steht nicht an erster Stelle, selbst zu posten und auf sich aufmerksam zu machen, sondern es geht in erster Linie ums Zuhören und um das Aufmerksam werden. Denn am Ende gehe es darum, Relevanz zu erlangen, Resonanz zu erzeugen und darüber Reichweite zu erlangen. „Die besten Verkäufer sind Neid und Neugierde“, betont Mrazek, deshalb sei es so wichtig, Geschichten zu erzählen – sie zu initiieren, nicht sie zu erfinden. Dabei ist es eben nicht mehr nur der Zugang über die eigene Homepage, den es zu nutzen gilt: Informationsbeschaffung funktioniert heute über viele Zugangswege, Facebook oder Twitter sind nur einige wenige davon. Dabei kann man nicht überall mitspielen, sondern nur dort, wo man als relevant registriert wird – das ist das für Anbieter entscheidende Motto von Social Media.