Prof. Christoph Wagner Bild: ichlese.at

Christoph Wagner verstorben
18.06.2010
Der Doyen der österreichischen Gourmetkritik, leidenschaftliche Genießer, Krimiautor und Hobbydirigent ist gestern 56-jährig gestorben

Österreichs Genussszene trauert um Christoph Wagner. Wie der News-Verlag – bei dem Wagner eine wöchentliche Kolumne publizierte – heute bekanntgab, ist der landesweit bekannte, teilweise gefürchtete Gourmetkritiker Christoph Wagner, gestern, am 17. Juni überraschend verstorben.

Der 1954 gebürtige Linzer studierte Germanistik und Kulturelles Management und begann seine journalistische Tätigkeit als Theaterkritiker.

Zuletzt war Wagner mit einem breiten publizistischen Oeuvre omnipräsent. Er gründete (das mittlerweile eingestellte) Gault Millau Magazin, war ständiger Kolumnist in „Gusto“ und anderen Fachblättern und verfasste unzählige Kochbücher. Nahezu jeder Koch, jede Köchin von Rang und Namen veröffentlichte gemeinsam mit Wagner Kochbücher – ob das das Luxushotel Sacher ist, die Paradeköchin der Wachau Lisl Wagner-Bacher oder der ubiquitäre Toni Mörwald.

Äußerst erfolgreich, weil historisch bestens beschlagen und mit einer exzellenten Schreibe ausgestattet, waren jene Kochbücher Wagners, die sich den Spezialitäten von Regionen widmeten. Ob es das oberösterreichische Knödelkochbuch (gemeinsam mit Ingrid Pernkopf) oder die Wiener Schmankerln waren, Wagner verstand es nicht nur blendend, die Entwicklungsgeschichte einzelner Gerichte bis in kleinste Detail zu rezeptieren, er war auch immer offen jenen Betrieben gegenüber, die dieses kulinarische Vermächtnis in täglich Genusskultur ummünzten. Sein gemeinsames mit Ewald Plachutta herausgegebenes Kochbuch ist das meistverkaufte Buch Österreichs nach dem zweiten Weltkrieg.

Seinen Ruf als gnadenloser Gourmetkritiker begründete Wagner jedoch als langjähriger Chefredakteur des Gourmetführers „Gault Millau“ unter dem damaligen Herausgeber Michael Reinartz. Das lange Jahre äußerst erfolgreiche Duo überwarf sich und Wagner betätigt sich mehr und mehr als freier Gourmet- aber auch sehr ambitioniert als Krimiautor. Zahlreiche Anekdoten und Zitate stammen aus seinem Mund und seiner Feder. So betitelte er einst die im Aufstieg befindliche Filzmoser Vier-Hauben-Köchin Johann Mair als die „Heilige Johanna“, was prompt als Lobhudelei missverstanden wurde. Wagner bezog sich aber auf den deutschen Dramatiker Bertold Brecht mit seinem Stück „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“. Christoph Wagner hinterlässt seine Ehefrau Renate und seine beiden Töchter und eine große Lücke im Gourmetjournalismus. Die Gastronomiejournalisten verloren mit Wagner einen hochgeschätzten Kollegen.