Kein Denkmalschutz für die Legende und daher als Nichtraucherlokal weitergeführt: Das „Hawelka“ in der Wiener Dorotheergasse. Bild: HGV PRAXIS

Café Hawelka: Kein Denkmalschutz
13.01.2011
Das Wiener Traditionskaffeehaus in der Dorotheergasse wurde vom Bundesdenkmalamt als nicht schutzwürdig eingestuft und kann somit das Rauchverbot nicht umgehen.

Noch einen Tag vor der Bekanntgabe des Denkmalamtes zeigte sich Cafetier Günter Hawelka im HGV PRAXIS-Gespräch zuversichtlich: „Wenn alles gut geht, könnte die Entscheidung pro Denkmalschutz bereits Ende Jänner bedeuten, dass im Café wieder geraucht werden darf.“ Nun kam alles doch ganz anders.

Landeskonservator Friedrich Dahm erklärte am Mittwoch, 12. Jänner, gegenüber der APA, „das legendäre Café werde nicht unter Schutz gestellt.“ Die kulturhistorische Bedeutung des Kaffeehauses sei laut Dahm „nicht dinghaft manifest“ – also etwa in Form von wertvollen Originalmöbeln oder innenarchitektonischer Besonderheiten. Damit wird es in dem Café auch weiterhin verboten sein zu rauchen. Eine Unterschutzstellung hätte bedeutet, dass die geforderte Abtrennung eines Gästeraumes für Raucher zum Schutz der Arbeitnehmer und Nichtraucher nicht hätte durchgeführt werden dürfen, der Gastraum hätte vielmehr als einheitliches Ensemble erhalten werden müssen.

Die Familie Hawelka stellte bereits vergangenen Sommer den Antrag auf Unterschutzstellung. Über die aktuelle Entscheidung zeigte man sich entsprechend „schockiert“. „Man habe nach so vielen Gesprächen nicht mit einer negativen Entscheidung gerechnet“, meinte etwa Michael Hawelka, der Enkel des Gründers Leopold Hawelka. Sein Sohn Günter Hawelka richtet den Blick bereits wieder nach vorne: „Damit steht eben fest, dass wir ein Nichtraucherlokal bleiben werden. Vielleicht können wir einen kleinen Wintergarten anbauen.“ Als kleinsten gemeinsamen Nenner befindet sich nun im Foyer das Kaffeehauses ein Stehtisch, an dem geraucht werden darf. Wie Leopold Hawelka selbst die Entscheidung aufgenommen hat, konnte hingegen noch nicht eruiert werden. Der 99-jährige Unternehmer, der – sofern es seine Gesundheit zulässt – selbst noch täglich im Kaffeehaus anzutreffen ist, kuriert gerade eine Knieverletzung aus. Im April feiert Leopold Hawelka seinen 100. Geburtstag.

Somit bleibt es in der Welthauptstadt der Kaffeekultur bei aktuell vier denkmalgeschützten Kaffeehäusern: das Café Landtmann, das Café Prückel, das Café Sperl und das Café Ritter.