Restriktive Visaregelungen für Einwanderer drohen einen Notstand bei der Lieblingskost der Briten, der indischen Küche hervorzurufen. Schon spricht man von der Curry-Krise. Bild: indianetzone.com

Briten fürchten Curry-Krise
20.01.2012
Fachkräftemangel aller Orten: Der britischen Insel droht ein kulinarischer Notstand. Den beliebten indischen Restaurants gehen die Köche aus, berichtet der „Evening Standard“.

 

Geht es um das Thema „Fachkräftemangel“ leidet nicht nur die österreichische Tourismusindustrie. Wie nun die Londoner Abendzeitung „The Evening Standard“ berichtete, mangelt es auf den ganzen britischen Inseln eklatant an indischen Köchen. Und die indische Küche ist längst zum beliebtesten Publikumsgeschmack der Engländer aufgestiegen. Kein Wunder möchte man angesichts der geschmacklich eintönigen „Fish and Chips“-Tradition meinen. Das britische Abendblatt hat auch sofort einen vortrefflichen Begriff kreiert und die nationale „Curry-Krise“ ausgerufen.

Der Markt ist beträchtlich: Auf den Inseln gibt es landesweit etwa 10.000 „Indian Food“-Restaurants. Die Branche beschäftigt gut 80.000 Mitarbeiter und steht für ein Umsatzvolumen von 3,6 Milliarden Pfund. Rund ein Viertel der Stellen für Köche bleiben jedoch unbesetzt. Die Urheber dieses Mangels sitzen nach Meinung der Curry-Lobbyisten in Downing Street Nr. 10, dem Sitz der britischen Regierung. Dort wurde unter dem konservativen Premierminister David Cameron eine drastische Verschärfung der Visaregelungen für Immigranten aus Nicht-EU-Staaten durchgesetzt. Ein kompliziertes Punktesystem soll für eine strenge Selektion sorgen. Zudem sollen Küchenchefs mindestens 28.260 Pfund (33.000 Euro) verdienen, was für die überwiegende Mehrheit der Restaurants mit wenigen Zehntausend Jahresumsatz sowieso illusorisch ist. Dieser Regierungserlass betrifft mittlerweile auch andere Branche wie Apotheker und Veterinäre. Camerons Team verspricht sich von dieser restriktiveren Haltung mehr Chancen in der Wählergunst der britischen Bürger, zumal viele wegen der steigenden Arbeitslosigkeit meinen, dass Jobs durch Ausländer gefährdet seien.

Um den Curry-Notstand in UK zu beheben, stoßen die Politiker auf bekannte Ideen. So sollen mehr Einheimische die asiatische Kochkunst erlernen. Hierzu würde sich die Gründung eines eigenen Curry-Colleges eignen. Ob sich jedoch ein arbeitsloser Fließbandarbeiter, Mechaniker oder Regalbetreuer für eine Karriere mit heißem Fett und hinter einer Curry-Pfanne interessiert, erscheint fraglich.