Die Gier stirbt zuletzt: Betrüger boten das Londoner Luxushotel zu einem Schnäppchenpreis – dabei stand es gar nicht zum Verkauf. Bild: confetti

Betrüger fingieren Hotelverkauf
16.06.2010
Drei Gauner gaben vor, das renommierte Londoner Ritz-Hotel zu verkaufen – reiche Investoren fielen darauf rein

Am Londoner Southwark Crown Court wird momentan ein besonders skurriler Gerichtsprozess ausgetragen. Die Verhandlung dreht sich um einen vorgetäuschten Verkauf des Londoner Luxushotels Ritz – eine Immobilie in heißbegehrter 1-A-City-Lage nahe dem legendären Piccadilly-Circus. Angeklagt sind die drei britischen Geschäftsleute Conn Farrell, Patrick Dolan und Anthony Lee wegen millionenschweren Betrugs. Laut Anklage gaben die drei Geschäftsleute vor, dass sie von den Ritz-Besitzern beauftragt seien, das Luxusobjekt zu verkaufen. Das Traditionshotel steht im Besitz der millionenschweren britischen Brüder Sir David und Sir Frederick Barclay.

Der von den falschen Verkäufern  annoncierte Preis von 250 Millionen Pfund (rd. 300 Millionen Euro) schien geradezu ein Schnäppchen zu sein. Von Experten wird das 100 Jahre alte Ritz auf einen Wert von 450 bis 600 Millionen Pfund geschätzt, also mehr als das Doppelte.

Während die Barclay-Brüder keine Ahnung von den Aktivitäten hinter ihrem Rücken hatten, nahm das dreiste Trio indes eifrig Kontakt zu Interessenten auf. Nicht nur das: Die wohlhabenden Investoren Terence Collins und Marcel Boerkhoorn zeigten sich von dem in Aussicht gestellten Deal so angetan, dass sie umgehend eine Million Pfund als „Anzahlung“ auf ein irisches Bankkonto überwiesen. Staatsanwältin Anuja Dhir suchte offenbar nach den richtigen Worten, für die Chuzpe der Angeklagten bzw. die Gutgläubigkeit der finanziell Geschädigten. In der Londoner Abendzeitung „Evening Standard“ wird die Juristin mit der Aussage zitiert, dass „alles auf einer riesigen Lüge basiert und sie noch nie so einen unglaublichen Fall zu verhandeln hatte."

Der Prozess wirft aber auch ein Schlaglicht auf den Londoner Immobilienmarkt und die dort herrschende Gier. Offenbar fragten die Ritz-Kaufinteressenten noch nicht einmal nach detaillierten Unterlagen, geschweige denn einer Vollmacht des Verkäufers. Alle drei Angeklagten bestreiten indes die Vorwürfe.