Vor allem die bayerische Gastronomie klagt über sinkende Umsätze seit Einführung des strengsten Nichtraucherschutzgesetzes in Deutschland.
Das seit 1. August des Vorjahres bestehende strengste Nichtraucherschutzgesetz lässt Bayerns Gastronomen nach Luft japsen. „Unsere getränkeorientierten Betriebe schließen das Jahr 2010 mit einem Minus von sechs Prozent ab“, sagt der Pressesprecher der DEHOGA Bayern, Frank-Ulrich John, im Interview mit der „Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung“ (AHGZ). Auch sein Kollege aus Nordrhein-Westfalen, sieht die Zukunft wenig rosig. DEHOGA-Geschäftsführer Klaus Hübenthal: „Wir gehen von 3000 bis 3500 verbotsbedingten Betriebsaufgaben aus, wenn die bisherigen Ausnahmeregelungen für Raucher wegfallen sollten“, prognostiziert er im Interview.
Generell gehe bei Deutschlands Gastronomen die Angst um, so die AHGZ. Auch in Berlin meldet der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband erkleckliche Umsatzrückgänge. „Real meldet die Gastronomie ein Minus von 6,1 Prozent im letzten Quartal des Vorjahres“, so DEHOGA-Berlin-Geschäftsführer Thomas Lengfelder.
Die negative Entwicklung spüren auch die Brauereien. Der Vertriebschef der in Deutschland starken Bitburger Braugruppe macht das Rauchverbot dafür verantwortlich, dass in der Gastronomie weniger Getränke konsumiert werden. „Der Umsatz im Getränkebereich ist laut einer Gfk-Studie im vergangenen Jahr noch einmal um 5,9 Prozent zurückgegangen.“
Ausgelöst wurde die neuerliche Diskussion um Rauchverbote in der Gastronomie, die in Deutschland in den Bundesländern unterschiedlich geregelt sind, durch einen Bericht von Spiegel Online. Der Dienst hatte gemeldet, dass trotz Rauchverbotes die Umsätze in der bayerischen Gastronomie im zweiten Halbjahr 2010 um 1,5 Prozent gestiegen seien. „Es wäre schön, wenn der Spiegel recht hätte, aber das ist leider nicht der Fall“, heißt es dazu vom DEHOGA Bundesverband. Tatsächlich seien die Spiegel-Redakteure falschen Zahlen aufgesessen. Das Umsatzplus ergebe sich aus den Zuwächsen in der Beherbergung (in Berlin zum Beispiel real plus 4,6 Prozent), die in die Gastronomie-Umsätze eingerechnet würden. In Bars, Diskotheken, normalen Wirtshäusern oder Restaurants sind die Ergebnisse eindeutig negativ.
Die bayerischen Wirte wollen es nun ganz genau wissen. Sie haben das Münchner Marktforschungsinstitut MIFM mit einer repräsentativen Studie beauftragt. Anhand von 25 Fragen, soll ermittelt werden, wie sich die Umsätze in der reinen Gastronomie seit Inkrafttreten des Rauchverbots im vergangenen August entwickelt haben und ob sich das Gästeverhalten verändert hat.


