Der italienische Barilla-Konzern will sein deutsches Tochterunternehmen Kamps sechs Jahre nach dessen Übernahme wieder verkaufen. Dies kündigte der Lebensmittelkonzern in Parma an. Mit der Verkaufsoperation sei die Bank Lincoln International mit Sitz in Frankfurt beauftragt worden. Jedoch gehe es bei dem Verkauf nur um die 920 Filialen sowie fünf Fabriken der Kamps Bakeries GmbH und nicht um das Industriegeschäft von Kamps Brot- und Backwaren mit Marken wie „Golden Toast“ und „Lieken Urkorn“.
„Handwerkliches Bäckereigeschäfte zu betreiben ist nicht nicht unser Kerngeschäft“, sagte der Vorstandschef der Barilla-Gruppe, Robert Singer, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Wenn Barilla keinen besonderen Beitrag zur Entwicklung dieser Backwarenläden leisten könne, müsse jemand anderer diese Gelegenheit erhalten. Einen Nudelverkauf oder das Angebot von Nudelgerichten in den Bäckereiläden hatte Barilla von vornherein verworfen.
Die Verwaltung der Kamps-Verkaufsstellen gehöre nicht zum strategischen Geschäft von Barilla: Durch die Veräußerung werde es der deutschen Kette ermöglicht, ihre positive Entwicklung unter Leitung eines neuen Besitzers fortzusetzen, begründete Barilla die Entscheidung. Die Kamps ist Europas größte Bäckerei-Gruppe. Firmengründer Heiner Kamps hatte das Unternehmen 1998 an die Börse gebracht. 2002 kaufte Barilla die Gruppe für 1,8 Milliarden Euro.
Der Traum vom europäischen Back-Konzern ist für Barilla zum Alptraum geworden. In nur vier Jahren wechselte Unternehmenschef Guido Barilla zweimal den Vorstandsvorsitzenden und zweimal den Finanzchef aus. Kamps ist für Barilla längst ein Fass ohne Boden. Jährlich überweist der Konzern einen zweistelligen Millionenbetrag nach Deutschland, um allein die Verluste auszugleichen. 350 Millionen Euro waren es von 2002 bis 2005. Den Wert von Kamps nahm Barilla 2006 um 640 Millionen Euro zurück.


