Hätte am 7. Juni seinen 200. Geburtstag gefeiert: Der Erfinder des Lagerbiers Anton Dreher. Bild: austria-lexikon.at
Das Problem des Biergenusses am Beginn des 19. Jh. hatte vor allem einen Grund: Es war von Natur aus trüb, daher fehleranfällig und häufig sauer und somit nur sehr kurz haltbar. Dann wurde am 7. Juni 1810 Anton Dreher in die gleichnamige Brauerdynastie in Schwechat geboren. Gemeinsam mit Gabriel Sedlmayr, dem damaligen Besitzer der Münchner Spatenbrauerei, bereiste Dreher den europäischen Kontinent und perfektionierte sein Wissen ums Bierbrauen und um die Gärungstechnik.
In England hatten die beiden die untergärige Braumethode kennengelernt. Dabei setzt sich die Hefe nach der Gärung gemeinsam mit weiteren Schwebstoffen auf dem Boden ab, während obergärige Hefen nach ihrem Absterben an die Oberfläche steigen und abgeschöpft werden müssen. Zwar sei die Lagerbiertechnik schon 400 Jahre vor Dreher und Sedlmayr bekannt gewesen, schrieb der britische Bierkritiker Michael Jackson in seinem Standardwerk „Bier International“. „Aber erst im 19. Jahrhundert verstanden sich die Brauer auf ihre Anwendung.“ Denn ein entscheidendes Element fehlte noch: Untergäriges Bier benötigt in seiner Herstellung viel niedrigere Temperaturen als obergäriges – ein schwieriges Unterfangen in einer Zeit, die die Kühlmaschine noch nicht kannte. Dass in der Kühlung das Geheimnis lag, war Drehers eigentliche Revolution. Denn wohlschmeckend, stabil und klar wird das Bier erst durch eine lange Reifung bei nahezu null Grad.
Dazu ließ Dreher riesige Keller anlegen und im Winter enorme Mengen Natureis heranschaffen, mit denen er in der wärmeren Jahreszeit das reifende Bier kühlte – so konnte es lagern und kam zu seinem Namen „Lagerbier“. Da das Bier bis dahin letztmals im März eingebraut wurde, hielt sich in Österreich und Süddeutschland auch die Bezeichnung „Märzenbier“, während sich das neue Gebräu im Rest der Welt als „Lager“ durchsetzte. 1841 brachte Dreher schließlich das „Klein-Schwechater Lagerbier“ auf den Markt, kurz darauf folgten sein „Spezl“ Sedlmayr in München und die Pilsner Brauerei in Böhmen. Zusammen sorgten sie dafür, dass binnen kürzester Zeit der neue Bierstil die alten obergärigen Braumethoden in ganz Kontinentaleuropa verdrängte.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts baute Dreher die Familienbrauerei zu einem hochtechnisierten Industrieunternehmen aus, das am Ende die ganze Monarchie mit Bier belieferte. Heute ist Lager das mit Abstand meistgetrunkene Bier in Österreich.

