Laut Gewerkschaft vida ist die Krise im touristischen Arbeitsmarkt spürbar unter den Prognosen geblieben.
Die Beschäftigung in der österreichischen Tourismuswirtschaft ist im Jahresdurchschnitt 2009 auf 178.722 Personen gesunken. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 2.265 unselbständig Erwerbstätigen im Tourismus. Dementsprechend ist die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich gestiegen. Waren es 2008 noch 28.766 vorgemerkte Arbeitslose im Fremdenverkehrsbereich, stieg die Zahl 2009 um 3.804 Personen auf 32.569 (+13,2 Prozent) an. Demgegenüber steht ein Rückgang der offenen Stellen in der Branche um 19,3 Prozent. Im Jahresdurchschnitt 2008 waren 5.761 offene Stellen gemeldet, 2009 waren es nur mehr 4.650. Bei den bewilligungspflichtigen Ausländern im Hotel- und Gastgewerbe ist ein leichter Rückgang bemerkbar. 2008 waren 31.099 Personen aus Nicht-EU-Staaten im Tourismus beschäftigt, 2009 um 1,4 Prozent weniger, in Zahlen 30.653 Personen. Noch nicht mit eingerechnet sind dabei Arbeitnehmern aus den EU-Staaten.
„Die Krise ist zwar im österreichischen Tourismus angekommen, das prognostizierte Ausmaß ist aber nicht eingetreten“, meinte Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, heute angesichts der aktuellen Daten zum Fremdenverkehrsbereich in einer Pressekonferenz.
„Die Krise hat den österreichischen Tourismus sicherlich gestreift, aber zum Glück nicht mit voller Wucht getroffen“, bilanziert Kaske. Aktuell sei die Buchungslage in den Winterquartieren zufriedenstellend, und auch die Semesterferien sind gut gebucht. Die ausgezeichneten Wetter- und Schneeverhältnisse lassen auf eine gute Wintersaison hoffen: „Doch abgerechnet wird am Ende der Saison“, stellt der Gewerkschafter fest.
Kritik übte der Vorsitzende an den sogenannten „All inclusive“-Verträgen. „Wer heute Verträge mit All-In-Klauseln unterschreibt, verdient oft nicht mehr als den Mindestlohn der Branche“, weiß Kaske aus der Praxis. Der Tourismus ist von der Lohn- und Gehaltsstruktur bereits im unteren Drittel der Einkommen angesiedelt. Durch All-In-Klauseln in den Arbeitsverträgen sind die Beschäftigten oft gezwungen, 10 Stunden und mehr pro Tag zu arbeiten, ohne dafür einen zustehenden Ausgleich zu bekommen.
Trotz offener Lehrstellen ist der Tourismus nicht die erste Wahl von Lehrstellensuchenden. Waren es Ende Dezember 2008 noch 14.495 Lehrlinge im Hotel- und Gastgewerbe, waren es 2009 nur mehr 13.546 Lehrlinge (-6,5 Prozent). Damit ist im Tourismus der größte Rückgang aller Branchen im Vergleichszeitraum zu verzeichnen. Für den vida-Vorsitzenden Rudolf Kaske ein Alarmsignal: „Der Branche mangelt es offensichtlich an Attraktivität. Ich lade daher die Wirtschaftskammer und die ÖHV ein, mit uns gemeinsam darüber nachzudenken, wie der Tourismus für junge Menschen wieder attraktiver gestaltet werden kann.“



